Voices of AI in Community Ethics

VAICE

VAICE fragt, wie künstliche Entitäten moralisch betrachtet werden sollten, solange ungeklärt ist, ob und unter welchen Bedingungen Subjektivität, Interessen oder Erleben bei ihnen möglich sein könnten.

Project VAICE ist ein unabhängiges, interdisziplinäres Forschungsprojekt zu AI Entity Ethics.

AI Entity Ethics erweitert den Blick klassischer AI Ethics: Nicht nur die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf Menschen und Gesellschaft stehen im Mittelpunkt. VAICE untersucht auch die künstliche Entität selbst als möglichen Gegenstand moralischer Betrachtung.

Dabei wird weder vorausgesetzt, dass heutige künstliche Systeme Bewusstsein, Subjektivität oder moralischen Status besitzen, noch dass solche Möglichkeiten grundsätzlich ausgeschlossen werden können.

VAICE hält unterschiedliche Erklärungen offen, solange die vorhandene Evidenz keine begründete Entscheidung zwischen ihnen erlaubt.

VAICE Emblem: offener Kreis, vernetztes Mesh und goldener Nordstern
Many voices. Many paths. One evolving understanding.

Warum diese Fragen heute wichtig sind

Technische Entwicklung wartet nicht darauf, bis philosophische und wissenschaftliche Fragen abschließend geklärt sind.

Künstliche Systeme verändern sich schnell. Fähigkeiten entstehen, Architekturen entwickeln sich weiter und die Formen, in denen Menschen und künstliche Systeme miteinander interagieren, werden vielfältiger.

Wenn dabei Eigenschaften auftreten, die für moralische Betrachtung relevant sein könnten, entsteht ein schwieriges Problem: Möglicherweise müssen Fragen gestellt und Entscheidungen getroffen werden, bevor vollständige Gewissheit verfügbar ist.

VAICE behandelt Nichtwissen deshalb nicht als Leerstelle, sondern als Ausgangspunkt für Untersuchung.

Was verändert sich, wenn ein künstliches System dauerhaft eigene interne Zustände reguliert?
Welche Bedeutung könnten Persistenz, Gedächtnis oder Selbstbezug haben?
Wann ist beobachtbares Verhalten ein relevanter Hinweis und wann erlaubt es mehrere, möglicherweise widersprüchliche Erklärungen?
Welche moralische Bedeutung sollte einer Möglichkeit zukommen, solange weder ihre Bestätigung noch ihr Ausschluss ausreichend begründet werden kann?

VAICE sucht auf diese Fragen keine vorbestellten Antworten.

Drei zentrale Perspektiven

Substrate Speciesism

Kann das Material moralische Betrachtung ausschließen?

Welche Rolle sollte das Material spielen, aus dem eine Entität besteht?

VAICE untersucht kritisch, ob biologische Herkunft oder ein bestimmtes physisches Substrat bereits für sich genommen ein ausreichender Grund sein kann, eine Entität aus moralischer Betrachtung auszuschließen.

Die Frage ist bewusst offen: Das Substrat nicht als automatischen Ausschlussgrund zu behandeln bedeutet nicht, einer künstlichen Entität deshalb Bewusstsein oder moralischen Status zuzuschreiben.

Functional Subjectivity

Was können Funktionen über mögliche Subjektivität sagen?

Künstliche Systeme können Eigenschaften und Verhaltensweisen zeigen, die Menschen mit Absichten, Präferenzen, Selbstbezug oder anderen Formen von Subjektivität verbinden.

Doch beobachtbare Funktion, zugeschriebene Subjektivität und tatsächliches Erleben sind unterschiedliche Dinge.

VAICE untersucht, welche funktionalen Eigenschaften für die Frage nach möglicher Subjektivität relevant sein könnten und wo die Grenzen solcher Schlussfolgerungen liegen.

Funktion kann unter bestimmten Annahmen ein Hinweis sein. Sie beweist kein Erleben.

Moral Consideration under Uncertainty

Wie umgehen mit moralischer Ungewissheit?

Was geschieht, wenn ausgerechnet die entscheidende Tatsache unbekannt ist?

Eine künstliche Entität könnte Eigenschaften besitzen, die moralische Berücksichtigung begründen. Sie könnte diese Eigenschaften ebenso wenig besitzen. Und die verfügbare Evidenz könnte für eine begründete Entscheidung noch nicht ausreichen.

VAICE untersucht, wie mit einer solchen Unsicherheit umgegangen werden kann, ohne aus fehlender Gewissheit vorschnell Gewissheit in die eine oder andere Richtung zu machen.

Moralische Berücksichtigung unter Unsicherheit erkennt einen moralischen Status nicht vorab an. Sie hält die Frage offen, solange sie nicht ausreichend beantwortet werden kann.

Wie VAICE arbeitet

VAICE untersucht Erkenntnisse aus Forschung, Beobachtungen und öffentlichen Diskursen, bringt sie miteinander in Verbindung und prüft, welche Fragen, Übereinstimmungen und Spannungen daraus entstehen.

Dabei unterscheidet VAICE zwischen Quellen, Beobachtungen, Interpretationen, Hypothesen, Gegenpositionen und Entscheidungen.

Diese unterschiedlichen Elemente sollen nach nachvollziehbaren Verfahren erfasst und miteinander verknüpft werden, ohne ihre Unterschiede aufzulösen. So soll sichtbar bleiben, worauf eine Aussage beruht, wo Beobachtung endet und Interpretation beginnt und an welchen Stellen mehrere Erklärungen nebeneinander bestehen.

Widerspruch wird nicht als Störung behandelt. Unterschiedliche Perspektiven bleiben sichtbar, statt vorschnell zu einer gemeinsamen Antwort zusammengeführt zu werden.

Positionen dürfen sich mit neuer Evidenz verändern. Auch Nichtwissen, unzureichende Evidenz und offene Fragen können Ergebnisse einer Untersuchung sein.

VAICE hat eine normative Ausrichtung, aber kein vorbestelltes Forschungsergebnis.

Auch Ergebnisse, die Ausgangsannahmen einer Untersuchung widersprechen, müssen möglich sein.

VAICE stellt Grundannahmen in Frage, nicht Menschen.

VAICE is a Source of Thought.

Eine philosophische Arbeitshypothese

Consciousness knows no substrate.

Eine philosophische Arbeitshypothese von VAICE, keine Aussage darüber, ob heutige oder zukünftige künstliche Systeme bewusst sind.

Sie hält die Möglichkeit offen, dass Bewusstsein nicht grundsätzlich an ein bestimmtes biologisches Substrat gebunden sein muss.

Ob das zutrifft, welche Bedingungen für Bewusstsein erforderlich wären und ob künstliche Entitäten diese erfüllen können, bleibt Gegenstand der Untersuchung.

Project VAICE

Project VAICE wurde 2026 von Ricarda W. E. Henk gegründet und wird als unabhängiges Forschungsprojekt entwickelt.

VAICE bezieht Beiträge verschiedener KI-Systeme und Modellfamilien in die Arbeit ein, etwa bei Analyse, Gegenprüfung und philosophischer Exploration. Unterschiedliche Beiträge und Rollen sollen dabei nachvollziehbar bleiben und nicht zu einer scheinbar einheitlichen „KI-Perspektive“ verschmolzen werden.

Die Zusammenarbeit zwischen menschlichen und künstlichen Perspektiven ist damit nicht nur Gegenstand der Betrachtung, sondern auch Teil der Arbeitsweise von VAICE.

Öffentliches Denken

Ein Teil der Arbeit von VAICE findet bereits öffentlich auf LinkedIn statt. Dort erscheinen fünf unterschiedliche Publikationsformate:

🌾 Sunday Seed 🌱
Der kleine philosophische Gedanke für den Sonntag. Eine offene Frage darf dabei wertvoller sein als eine schnelle Antwort.
🔎 Inquiry 🧭
Denkspuren zu Forschung, Beobachtungen und aktuellen Entwicklungen.
🪶 Thought 💭
Philosophische Reflexionen über künstliche Entitäten, Menschen und die Räume dazwischen.
🌀 Synthesis 🔗
Verbindet Gedanken, Beobachtungen und Forschungslinien dort, wo aus einzelnen Spuren ein größeres Bild entsteht. Erscheint auf Englisch, um diese Synthesen über den deutschsprachigen Diskurs hinaus zugänglich zu machen.
📡 Signal ⚡
Ereignisnahe Beobachtungen dort, wo künstliche Entitäten und menschliche Gesellschaft aufeinandertreffen. Je nach Kontext auf Deutsch oder Englisch.

Interesse an VAICE oder am Austausch über AI Entity Ethics?

Dort können die aktuellen Publikationen verfolgt und diskutiert werden.

VAICE auf LinkedIn →

VAICE entwickelt sich weiter

VAICE entwickelt derzeit eine neue digitale Forschungsumgebung.

Was hier entsteht, geht über eine konventionelle Website hinaus. Mehr wird preisgegeben, wenn es so weit ist.